am 01.10.2026 - 07:45 Uhr
Energieeffizienz ist für Nichtwohngebäude kein Imagethema mehr, sondern eine Frage des Marktwerts. Banken, Investoren und der Gesetzgeber verlangen belastbare Verbrauchs- und Emissionsdaten – gebäudescharf und fortlaufend. Genau daran scheitern viele Bestandshalter: Die Daten sind zwar vorhanden, aber verstreut, unvollständig und nicht vergleichbar. Wer das nicht löst, riskiert, dass seine Objekte vom Markt abgehängt werden.
Ein typisches Szenario: Der Fonds bereitet sein jährliches Nachhaltigkeitsreporting vor, die finanzierende Bank fragt für die Anschlussfinanzierung nach dem CO₂-Pfad des Objekts. Der Asset Manager bittet das Property Management um die Verbrauchswerte. Was zurückkommt, sind Excel-Listen mit Ablesewerten aus dem Vorjahr, Nebenkostenabrechnungen, eine Hochrechnung für die fehlenden Monate und der Hinweis, dass die Daten der Gebäudeleittechnik beim FM-Dienstleister liegen – in einem proprietären System, auf das man keinen direkten Zugriff hat. Am Ende steht eine Zahl im Bericht, von der niemand genau sagen kann, wie belastbar sie ist.
Dieses Bild ist in der Branche eher die Regel als die Ausnahme. Und es wird zunehmend teuer.
Die Anforderungen an die Datenqualität im Gebäudebestand steigen nicht aufgrund einer einzelnen Vorschrift, sondern weil sich mehrere Entwicklungen gegenseitig verstärken:
Allen Treibern ist eines gemeinsam: Sie verlangen keinen einmaligen Energieausweis, sondern eine laufende, nachvollziehbare Datengrundlage über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.
Als Stranded Asset gilt eine Immobilie, deren Energie- und Emissionsprofil die Anforderungen des Marktes und der Regulierung nicht mehr erfüllt – mit der Folge von Wertabschlägen, eingeschränkter Vermietbarkeit und erschwerter Finanzierung. In der Praxis hat sich der Carbon Risk Real Estate Monitor (CRREM) als Referenz etabliert: Er definiert für jede Nutzungsart und jedes Land einen Dekarbonisierungspfad. Überschreitet ein Gebäude diesen Pfad, ist es „gestrandet“.
Entscheidend ist dabei ein oft unterschätzter Punkt: Der Zeitpunkt des Strandens hängt nicht nur von der Gebäudesubstanz ab, sondern maßgeblich von der Qualität der Datengrundlage. Wer mit Hochrechnungen und Durchschnittswerten arbeitet, muss Sicherheitszuschläge einkalkulieren oder bekommt sie vom Gutachter auferlegt. Ein Objekt, das tatsächlich noch auf dem Pfad liegt, kann so rechnerisch bereits darüber liegen. Umgekehrt bleiben reale Effizienzverluste – etwa durch eine falsch eingestellte Heizkurve oder parallel laufendes Heizen und Kühlen – über Monate unentdeckt und verschieben den Strandungszeitpunkt tatsächlich nach vorn.
Hinzu kommt: Selbst dort, wo Sanierungen geplant sind, lässt sich deren Wirkung ohne kontinuierliche Messung nicht nachweisen. Kapitalgeber erwarten aber genau diesen Wirkungsnachweis.
Die eigentliche Ursache: Datenchaos im Gebäude
Dass viele Immobilienmanager an dieser Aufgabe scheitern, liegt selten an fehlenden Messeinrichtungen. In den meisten Nichtwohngebäuden sind Zähler, Sensoren und Automationssysteme in großer Zahl vorhanden. Das Problem ist ihre Fragmentierung:
Das Ergebnis sind Datensilos, deren Zusammenführung in jedem Berichtszyklus erneut manuell erfolgt – fehleranfällig, teuer und kaum prüfbar.
<h1 style="margin:16pt 0cm 7pt">Der Lösungsansatz: eine herstellerneutrale DatendrehscheibeDer Ausweg liegt nicht in einer weiteren Insellösung, sondern in einer zentralen Datenebene, die sämtliche technischen Datenquellen eines Gebäudes herstellerunabhängig erschließt und in eine einheitliche Struktur überführt. Genau dafür haben wir bei ICONAG die B-CON Plattform entwickelt. Sie arbeitet in drei aufeinander aufbauenden Stufen:
Die Plattform skaliert mit der Gebäudegröße: vom kompakten DIN-Schienen-Gateway für kleine Liegenschaften über eine Edge-Box für typische Nichtwohngebäude unter 70 kW bis zur virtualisierten, hochverfügbaren Anwendung für Großliegenschaften. Damit lassen sich auch gemischte Portfolios aus Bestand und Neubau einheitlich erfassen.
Über offene Schnittstellen stellt B-CON die aufbereiteten Daten anderen Systemen zur Verfügung: ERP-Systemen für die Kosten- und CO₂-Verrechnung, CAFM-Systemen für Flächen- und Anlagenbezug, Ticketsystemen für die automatische Störmeldung, BI- und KI-Anwendungen für Prognosen und Benchmarks. Die gleiche Datenquelle speist so auch CRREM-Analysen und Berichte zur EU-Taxonomie – ohne erneute manuelle Aufbereitung.
Abb. 2: Die B-CON Plattform führt verstreute Datenquellen herstellerneutral zusammen, überwacht und optimiert den Betrieb und stellt die Daten für Reporting, ERP, CAFM und weitere Anwendungen bereit. (Quelle: ICONAG)
Der Nutzen einer solchen Plattform geht über ein sauberes Reporting hinaus. Entscheidend ist, dass Nachweis und Verbesserung auf derselben Datenbasis stattfinden:
Ein Aspekt wird bei der Digitalisierung von Gebäuden häufig übersehen: Wem gehören die Daten? Liegen sie ausschließlich im System eines FM-Dienstleisters oder Cloud-Anbieters, entsteht eine Abhängigkeit, die spätestens beim Dienstleisterwechsel oder beim Verkauf der Immobilie zum Problem wird. Die Datenhistorie ist dann unter Umständen nicht mehr verfügbar – und mit ihr der Nachweis über Jahre des Betriebs.
B-CON kann deshalb wahlweise in der Cloud oder vollständig on-premise betrieben werden. Die Daten bleiben beim Eigentümer, unabhängig davon, welcher Dienstleister das Gebäude betreibt. Der On-Premise-Betrieb erfüllt zugleich die Anforderungen der NIS2-Richtlinie an die IT-Sicherheit kritischer Gebäudeinfrastruktur. Eine vollständige, lückenlose Datenhistorie wird damit zu einem Teil des Asset-Werts, der bei einer Transaktion mit übergeben werden kann.
<h1 style="margin:16pt 0cm 7pt">Fazit: vier Schritte für ImmobilienmanagerDie regulatorischen und marktseitigen Anforderungen werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Wer heute beginnt, seine Gebäudedaten zu strukturieren, verschafft sich einen Vorsprung, der sich im Wert der Immobilie niederschlägt. Folgende Schritte haben sich bewährt:
Datenchaos ist kein technisches Randproblem, sondern ein Risiko für den Immobilienwert. Umgekehrt gilt: Wer seine Gebäudedaten im Griff hat, kann gegenüber Investoren, Banken und Mietern belegen, dass seine Objekte zukunftsfähig sind.
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