header

Technisches Monitoring - Fundament für Energieeffizienz, Dekarbonisierung und Digitalisierung

am 08.02.2026 - 09:51 Uhr

Technisches Monitoring - Fundament für Energieeffizienz, Dekarbonisierung und Digitalisierung

 

Seit Jahrzehnten wird der Gebäudeautomation ein erhebliches Energieeinsparpotenzial zugeschrieben. In der Praxis bleiben diese Versprechen jedoch in der Breite unerfüllt. Ursache ist nicht ein Mangel an Technik, sondern deren fehlerhafte oder unzureichende Nutzung im Betrieb.

Gerade in Nichtwohngebäuden zeigt sich, dass vorhandene Automationssysteme ihre Potenziale ohne kontinuierliche Überwachung und fachgerechte Betreuung nicht entfalten.

Gesetzlicher Handlungsdruck durch EPBD 2024

Vor diesem Hintergrund hat der Gesetzgeber reagiert. Mit der novellierten European Performance of Building Directive (EPBD 2024) wird ein technisches Inbetriebnahmemanagement für Neubauten von Nichtwohngebäuden mit einer thermischen Anschlussleistung über 290 kW – ab 2030 bereits über 70 kW – verpflichtend. Ziel ist es, die energetische Qualität gebäudetechnischer Anlagen von Beginn an sicherzustellen und dauerhaft zu erhalten.

Hauptursachen der Energieverschwendung

Die größten Energieverluste entstehen in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Häufig sind Anlagen im Handbetrieb, mit falschen Sollwerten oder ungeeigneten Zeitprogrammen betrieben oder wurden nie korrekt in Betrieb genommen. Solche Fehlzustände bleiben ohne systematische Überwachung oft über Jahre unentdeckt. In nahezu allen Gebäudeportfolios schlummern dadurch Energie- und CO₂-Einsparpotenziale von über 20 %.

Technisches Monitoring statt blinder KI-Euphorie

Eine wachsende PropTech-Industrie verspricht genau diese Einsparungen – oft unter dem Schlagwort „Künstliche Intelligenz“. Voraussetzung dafür ist meist die Anbindung der Gebäudetechnik an Cloud-Dienste. Dabei gilt jedoch der Grundsatz: „Shit in, shit out“. Solange Anlagen technisch falsch eingestellt oder defekt sind, kann auch KI keine nachhaltige Optimierung leisten. Zudem wird insbesondere im KRITIS-Umfeld die externe Internetanbindung aus IT-/OT-Sicherheitsgründen kritisch gesehen. On-premises-Lösungen innerhalb der Betreiber-IT sind hier deutlich robuster und sicherer.

Technisches Monitoring als Basis

Technisches Monitoring stellt durch eine systematische, wiederkehrende Überwachung sicher, dass Fehlfunktionen und Fehleinstellungen erkannt und gemeldet werden. Es ist essenziell für eine korrekte Abnahme nach AMEV 170, für den anschließenden energieeffizienten Betrieb und für die Betriebssicherheit. Die Erfahrung zeigt: Für Einsparungen von durchschnittlich 20 %, im Einzelfall bis zu 40–50 %, sind meist keine großen Investitionen notwendig – sondern Transparenz über den Anlagenzustand sowie Fachwissen zur Anlagentechnik.

Offene Datenplattformen und Standards

BACnet-Systeme spielen hier eine Ihrer Stärken aus.  Sie ermöglichen es in der Regel einfach, das technische Monitoring nachzurüsten, da Datenpunkte direkt aus dem Netzwerk ausgelesen werden können – vorausgesetzt, die Controller sind entsprechend projektiert. Für Modbus- oder KNX-Systeme werden strukturierte Datenpunktlisten benötigt. Entscheidend für eine effiziente Installation ist die Standardisierung der Datenpunktbezeichnung, z. B. über das BACtwin Benutzeradresssystem (BAS) nach AMEV 174. Offene Plattformen wie die B-CON-Suite ermöglichen durch die Übersetzung in den BACtwin BAS eine abstimmungsfreie Ankopplung des technischen Monitoring – sowohl für ein in die MBE integriertes, on-premises betriebenes technisches Monitoring als auch für die optionale Anbindung externer Lösungen, wie die des TÜV-Süd oder anderer Anbieter.

Vom Monitoring zur Optimierung

Nach der Einrichtung des technischen Monitorings liegt die Verantwortung beim Betreiber, erkannte Mängel auch zu beheben. Dies erfordert ein tieferes Anlagenverständnis, was häufig vor Ort nicht verfügbar ist. Die Koordination erfolgt daher idealerweise durch spezialisierte Fachabteilungen oder externe Ingenieurdienstleister. Erst wenn der bestimmungsgemäße Betrieb sichergestellt ist, entfalten weiterführende Optimierungen – etwa prädiktive Betriebsstrategien unter Einbeziehung von Wetter- oder Belegungsprognosen – ihr volles Potenzial. Ganz gleich ob diese Lösungen im Schwerpunkt auf thermischen Modell des Gebäudes aufbauen oder datengetriebene KI-Ansätze verfolgen.

Regelwerke als Leitplanke

Die fachliche Grundlage für technisches Monitoring liefern dabei u. a. folgende Regelwerke:

  • AMEV Empfehlung 158 – Technisches Monitoring
  • AMEV Empfehlung 170 – Inbetriebnahmemanagement
  • VDI 6041 – Technisches Monitoring
  • VDI 6039 – Inbetriebnahmemanagement
  • AMEV Empfehlung 174 - BACtwin

Fazit:
Technisches Monitoring ist kein optionales Zusatzmodul, sondern eine erfolgskritische Management-Funktion für Energieeffizienz und Dekarbonisierung im Gebäudebetrieb. Offene Standards, herstellerneutrale Plattformen und on-premises-fähige Lösungen wie B-CON schaffen die notwendige Transparenz – und damit die Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg.

Zurück zur Übersicht

Powered by ModuleStudio 1.3.2