am 13.01.2026 - 10:48 Uhr
Teil 1: Anforderungen an zukunftssichere Managementsysteme für die Gebäudeautomation und Perspektiven für die HLK-Branche
Die Digitalisierung im Bereich des technischen Gebäudemanagements entwickelt sich zunehmend von einer technologischen Option zu einem operativen Muss. Denn in Zeiten steigender Energiepreise, hoher Anforderungen an Nachhaltigkeit und zunehmendem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal gewinnt die Optimierung technischer Gebäudeausrüstung (TGA) durch intelligente Systeme an Bedeutung. Davon betroffen sind insbesondere Betreiber technischer Anlagen im Bereich Heizung, Lüftung und Klima (HLK) sowie deren Fachplaner und Systemintegratoren, für die das sowohl eine zentrale Herausforderung als auch eine große Chance darstellt. Dabei kommt es auch auf Zukunftssicherheit an. Denn Gebäude, die heute errichtet oder saniert werden, sollen auch in 30 Jahren noch effizient und wirtschaftlich betrieben werden können. Um dies zu gewährleisten, müssen Gebäudeautomationssysteme heute so geplant und umgesetzt werden, dass sie offen, interoperabel und datensicher sind und langfristig nutzbar bleiben.
Vor diesem Hintergrund nimmt die Digitalisierungstauglichkeit der Infrastruktur eine Schlüsselfunktion ein. Sie erlaubt nicht nur, technische Systeme intelligent zu vernetzen, sondern auch die tiefgreifende Analyse, Automatisierung und Optimierung von HLK-Anlagen über deren gesamten Lebenszyklus hinweg. Es ist daher wichtig, die richtigen Vorgaben für den Einsatz offener Technologien bei der Sanierung und beim Neubau zu formulieren.
Grundlagen der VDI 3814 "Gebäudeautomation (GA)"
Im Zentrum eines zukunftsorientierten technischen Gebäudemanagements steht die Gebäudeautomation (GA). Sie beherrscht den gesamten energetischen Prozess und koordiniert zentrale Prozesse wie die Regelung von Temperatur und Luftqualität sowie die Energieverteilung und Betriebszeiten. Die VDI-Richtlinienreihe 3814 „Gebäudeautomation (GA)“ definiert hierfür den konzeptionellen und normativen Rahmen. Als Ziele definiert sie:
Für HLK-Fachleute bedeutet dies: Mit intelligent vernetzter und funktional klar strukturierter Gebäudeautomation müssen sie die Voraussetzungen für den wirtschaftlichen, nachhaltigen und sicheren Betrieb ihrer Systeme schaffen.
Daten als Fundament smarter Gebäude
Digitale Technologien wie das Internet of Things (IoT), Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) auf Basis digitaler Zwillinge transformieren das technische Gebäudemanagement grundlegend. Zentrale Voraussetzung dafür ist die maschinelle Interpretierbarkeit von allen relevanten technischen Daten. Für HLK-Systeme ergeben sich daraus folgende Ansätze und Maßnahmen zur Optimierung:
Standardisierung und Schnittstellen als Schlüssel zur Interoperabilität
Um die vielfältigen Systeme eines Gebäudes effizient zu vernetzen, braucht es offene Kommunikationsprotokolle und einheitliche Datenstrukturen. In der HLK-Praxis bedeutet das:
Ein sich zunehmend durchsetzender Ansatz ist die Nutzung des BACtwin, eine bundesweit eingeführte Standardisierung des Arbeitskreises Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV). Dieser ermöglicht die standardisierte Abbildung von gebäudetechnischen Anlagen beziehungsweise Baugruppen und Aggregaten mit ihren technischen Funktionen bzw. Eigenschaften.
Mit einer solchen Struktur lassen sich HLK-Anlagen herstellerunabhängig planen, effizient betreiben und langfristig digital weiterentwickeln. Eindeutige, einheitliche und herstellerunabhängige Datenstrukturen sind dabei unverzichtbare<s>r</s> Bestandteile zukunftssicherer GA-Lastenhefte für Neubau und Sanierung.
Digitalisierung im Bestand: Herausforderung und Chance
Insbesondere im Gebäudebestand ist die Digitalisierung anspruchsvoll. Unterschiedliche Generationen und Hersteller von GA-Systemen, fehlende Dokumentation und proprietäre Systeme erschweren den Zugriff auf Daten. Hier bieten moderne KI-gestützte Verfahren – zum Beispiel mittels Natural Language Processing (NLP) – die Möglichkeit, bestehende Datenpunkte zu analysieren, zu klassifizieren und mit einem modernen Strukturmodell wie dem BACtwin-Benutzeradressierungsschlüssel (BACtwin BAS) zu verknüpfen. So kann ein digitaler Zwilling auch für bestehende HLK-Anlagen erzeugt werden. Der Nutzen dabei ist:
IT-Sicherheit im GA-Lastenheft
Mit zunehmender Digitalisierung steigt auch die Anforderung an die Informationssicherheit. Für öffentliche Liegenschaften und kritische Infrastrukturen gelten verbindliche Grundschutzanforderungen gemäß dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) (Infrastruktur-Bausteine INF.13 (TGM) und INF.14 (GA)), wobei der Kreis der zum BSI-Grundschutz Verpflichteten mit Umsetzung der Network and Information Security Directive 2 (NIS2) der Europäischen Union von derzeit circa 3.000 auf 30.000 Unternehmen und Organisationen in Deutschland ansteigen wird).
Ein zukunftssicheres GA-Lastenheft sollte daher zwingend auch sicherheitstechnische Vorgaben enthalten:
Gerade im Kontext vernetzter HLK-Anlagen sind diese Maßnahmen entscheidend für den Schutz vor externen Zugriffen und Systemausfällen. Die VDMA-Richtline 24774 „IT-Sicherheit in der Gebäudeautomation“ (2023) bietet ergänzend eine valide Vorlage für entsprechende Vorgaben.
Empfehlungen für Gebäudebetreiber und HLK-Planer
Aus den zuvor genannten Erläuterungen leiten sich folgende Empfehlungen für und HLK-Planer, Systemintegratoren und Gebäudebetreiber ab:
Fazit und Digitalisierung der Gebäudeautomation im Kontext des GEG
Die Digitalisierung bietet enormes Potenzial zur Optimierung von HLK-Systemen – sowohl im Neubau als auch im Bestand. Sie ist kein Selbstzweck, sondern eine Notwendigkeit für den wirtschaftlichen und nachhaltigen Betrieb moderner HLK-Anlagen. Wer heute vorausschauend plant, setzt auf offene Systeme, standardisierte Datenstrukturen und intelligente Analysewerkzeuge. Die Berücksichtigung dieser Grundlagen legt den Grundstein für einen zukunftsfähigen, energieeffizienten und wirtschaftlichen Gebäudebetrieb im Sinne von Betreibern, Nutzern, Umwelt und dem Gebäudeenergiegesetz (GEG), das unter folgenden Aspekten zu sehen ist:
1. Allgemeine Herausforderungen
2. Probleme bei Inbetriebnahme und Betrieb
3. Anforderungen aus dem GEG speziell §71a
4. Technisches Inbetriebnahmemanagement (TIB)
5. Vorgaben durch Bauherren/Betreiber
Welche konkreten Anforderungen sich aus dem GEG für die einzelnen Gewerke ergeben, wird mit Unterstützung verschiedener Experten der betroffenen Gewerke in weiteren Fachbeiträgen aufgezeigt. Die Themen der kommenden Fachbeiträge lauten:
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