am 04.08.2026 - 08:10 Uhr
Gerald Boller, Geschäftsführender Gesellschafter der Exapris GmbH, Ober-Olm, erläutert die Bedeutung digitaler Wartungsmanagementsysteme mit leistungsfähigen Schnittstellen für einen effizienten Gebäudebetrieb.
Deutschlands Gebäudesektor steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Sein Anteil am Endenergieverbrauch beträgt nach Angaben des Umweltbundesamtes ca. 35 Prozent und hat damit maßgeblichen Einfluss auf die nationale Klimabilanz. Die Notwendigkeit zur Dekarbonisierung und daraus folgend verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen – Stichwort Gebäudeenergiegesetz (GEG) –setzen Betreiber ebenso zunehmend unter Handlungsdruck wie steigende Energiepreise.
Rechtlicher Rahmen: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG)
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) konsolidiert die vormals geltenden Regelwerke – die Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Die GEG-Novelle 2024 verschärft die regulatorischen Anforderungen und macht insbesondere die Digitalisierung zu einem Schlüsselfaktor für das technische Gebäudemanagement. Moderne Wartungsmanagementsysteme bilden dabei die Grundlage, um gleichermaßen Energieeffizienz, Rechtssicherheit und Wirtschaftlichkeit beim Betrieb von Gebäuden zu gewährleisten. Aus dem Ziel des Gesetzes, die Energieeffizienz von Gebäuden systematisch zu erhöhen und den Einsatz erneuerbarer Energien zu fördern (§ 1 GEG), ergeben sich als zentrale Pflichten für Betreiber:
Das führt dazu, dass Betreiber ihre Wartungsprozesse professionalisieren und digitalisieren müssen, um Rechtskonformität sicherzustellen. Verstöße gegen Wartungs- und Bedienungspflichten können gemäß § 108 GEG mit Bußgeldern bis 50.000 € geahndet werden.
Papierlisten und Excel-Tabellen genügen nicht
Das GEG verlangt ein Abbild der Wartungsrealität, das mit herkömmlichen nicht mehr erreichbar ist. Papierbasierte Verfahren oder Excel-Tabellen bieten keine
Integrierte und datengetriebene Wartungsmanagementsysteme
Ein modernes Wartungsmanagement muss dynamische, datengestützte und zustandsorientierte Instandhaltungsprozesse abbilden, die den Anforderungen der DIN 31051 „Grundlagen der Instandhaltung“ (2019) sowie der DIN EN 13306 „Instandhaltung - Begriffe der Instandhaltung“ (2018) entsprechen.
Grundlage dafür ist eine zentrale Datenbasis, die sämtliche relevanten Informationen zu technischen Anlagen, ihren Zuständen, Wartungszyklen und Prüfergebnissen zusammenführt. Mit einem einheitlichen Standard lassen sich Redundanzen vermeiden, da die Daten konsistent genutzt werden können. Zudem werden technische und kaufmännische Daten miteinander verknüpft, beispielsweise zur Kostenstellenzuordnung. Eine weitere Stärke ist die Möglichkeit, moderne Wartungsmanagementsysteme in Energiemanagementsysteme nach DIN EN ISO 50001 Energiemanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“ (2018) einzubinden. Eine einheitliche Datenbasis bildet letztlich die Grundlage für eine durchgängige digitale Prozesskette, die operative Aufgaben mit strategischen Zielsetzungen verbindet.
Schnittstellen und Integration
Während die zentrale Datenbasis die Grundlage für eine durchgängige digitale Prozesskette ist, sind es die Schnittstellen, die den operativen Mehrwert schaffen. In der Praxis ermöglichen diese, dass unterschiedliche Systeme wie Gebäudemanagement (CAFM/BMS), Wartungsmanagement, Energiemanagement und Sensorik nahtlos miteinander kommunizieren können.
Schnittstellen sind jedoch nur dann zukunftssicher, wenn sie auf offenen, herstellerneutralen Standards basieren. Beispiele dafür sind:
Die Verwendung dieser Standards ermöglicht es, Systeme unterschiedlicher Hersteller zu verbinden und so Insellösungen zu vermeiden. Damit entsteht ein geschlossener Regelkreis zwischen Erfassung, Analyse, Ausführung und Rückmeldung der Prozess- und Produktionsdaten, was eine durchgängige Automatisierung, Optimierung und Transparenz ermöglicht.
Funktionsweise von Schnittstellen zwischen zwei Softwaresystemen
Eine Schnittstelle (englisch: Interface) ist eine Art „Übersetzer“ oder „Verbindungsstelle“ zwischen zwei Programmen. Sie legt fest, wie Daten und Befehle ausgetauscht werden – vergleichbar mit einer gemeinsamen Sprache, die beide Systeme verstehen. Damit zwei Softwaresysteme miteinander kommunizieren können, müssen die Daten in einem einheitlichen Format übergeben werden. Häufig werden dafür Standards wie JSON oder XML genutzt.
Beispiel: Anstatt, dass ein Programm einfach „Temperatur: 21“ schickt, wird es in einer klaren JSON-Struktur wie
{ "sensor": "raum-1", "wert": 21, "einheit": "temperatur_C" }
übertragen.
Die Übertragung selbst erfolgt meist über Internet- oder Netzwerkschnittstellen. Typische Standards sind:
Diese Protokolle legen fest, wie eine Anfrage gestellt wird, zum Beispiel „gib mir alle Temperaturwerte“ und wie die Antwort aussieht.
Es gibt zwei Arten von Anbindungen:
Schnittstellen zwischen Softwaresystemen sind kritische Kommunikationspunkte, da sie Datenflüsse kontrollieren und damit potenzielle Angriffspunkte darstellen.
Maßgebliche Normen und Standards wie DIN EN ISO/IEC 27001 „Informationssicherheit, Cybersicherheit und Datenschutz - Informationssicherheitsmanagementsysteme – Anforderungen“ (2024), DIN EN IEC 62443 „IT-Sicherheit für industrielle Automatisierungssysteme“ sowie die Empfehlungen des NIST Cybersecurity Framework bilden hierfür den Referenzrahmen.
Abb. © Exapris GmbH
Aspekte einer sicheren Schnittstellenkommunikation
Bidirektionale Schnittstellen zwischen technischer Gebäudeautomation und Wartungsmanagement
Sensordaten wie Temperatur-, Druck- oder Energieverbrauchswerte, die über die Gebäudemanagementsoftware erfasst werden, stehen unmittelbar auch der digitalen Wartungsmanagementsoftware zur Verfügung. Umgekehrt können Informationen über Wartungspläne oder der Bearbeitungsstand von Aufträgen zurückgemeldet werden. So wird eine konsistente Datenbasis gewährleistet, die sowohl den Betrieb als auch die Instandhaltung unterstützt.
Die Schnittstellen ermöglichen ferner die Automatisierung von Prozessen. Erkennt die Gebäudemanagementsoftware Abweichungen von definierten Sollwerten, werden daraus automatisch Wartungsaufträge generiert. Zugleich können Rückmeldungen über erledigte Maßnahmen wieder in die Gebäudeleittechnik einfließen. So entstehen durchgängige Abläufe, ohne dass dafür zusätzlich manuelle Eingriffe erforderlich wären.
Darüber hinaus ermöglicht der Datenaustausch in Echtzeit eine zeitnahe Reaktion auf Veränderungen im Betrieb. Ausfälle oder ineffiziente Betriebszustände werden unmittelbar sichtbar und können direkt mit passenden Maßnahmen zur Behebung verknüpft werden. Dies verbessert nicht nur die Reaktionsgeschwindigkeit, sondern auch die Planung und Durchführung von Wartungen, die so stärker an den tatsächlichen Betriebszustand angepasst werden können.
Die Schnittstelle trägt zu mehr Transparenz bei, da sowohl das Gebäudemanagement als auch das Wartungspersonal auf dieselben Informationen zugreifen. Dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Bereichen erleichtert.
Nicht zuletzt bietet die bidirektionale Kopplung auch Vorteile im Hinblick auf Erweiterbarkeit: Neue Gewerke oder zusätzliche Sensoren können in die bestehende Systemlandschaft eingebunden werden, so dass die Integration auch bei künftigen Anpassungen bestehen bleibt.
Mit den Schnittstellen lassen sich die
technischen Funktionen aller Gewerke im Gebäude
in einem System zusammenführen
Digitales Wartungsmanagement
Ein zeitgemäßes Wartungsmanagement muss es ermöglichen, Wartungspläne zu digitalisieren und im Verwaltungsmodus einfach und schnell individuelle Wartungspläne zu erstellen.
Technische Empfehlungen wie die Einheitsblätter der VDMA 24186 Leistungsprogramme für die Wartung von technischen Anlagen und Ausrüstungen in Gebäuden sollten in einem digitalen Wartungsmanagementsystem hinterlegt sein.
Durch bidirektionale Schnittstellen lassen sich folgende Vorteile realisieren.
So entsteht ein Managementsystem, das nicht nur die gesetzlichen Pflichten des GEG erfüllt, sondern auch die betriebliche Effizienz steigert. Schnittstellen werden damit zu einem der entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Digitalisierung im Gebäudebetrieb.
Predictive Maintenance als Zukunftsperspektive des Wartungsmanagements
Ein zukünftiger Entwicklungsschwerpunkt von Lösungen fürs Wartungsmanagement liegt auf der vorausschauenden Instandhaltung (Predictive Maintenance). Hierbei werden Sensordaten mit Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) analysiert, um den Verschleiß von Komponenten vorhersagen zu können. Dies soll eine optimale Wartungsplanung ermöglichen, ungeplante Stillstände verhindern und zugleich die Energieeffizienz durch eine optimierte Betriebsführung steigern.
Fazit
Das novellierte Gebäudeenergiegesetz zwingt Betreiber, Instandhaltungsstrategien neu auszurichten. Digitale Wartungsmanagementsysteme, die über leistungsfähige und sichere Schnittstellen in die Gebäudeautomation integriert sind, entwickeln sich dabei zu einem strategischen Instrument. Für Betreiber komplexer Immobilien gilt: Ein integriertes, datengestütztes Wartungsmanagement ist künftig nicht nur Wettbewerbsvorteil, sondern Voraussetzung für einen rechtssicheren, effizienten und klimaneutralen Gebäudebetrieb.
Gerald Boller ist Geschäftsführender Geschäftsführer des Softwareherstellers
Exapris GmbH, Ober-Olm
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